Ungewollt schwanger – was nun?

Geschichten, die fürs Leben schreiben

Die folgenden wahren Geschichten haben sich in der Notrufzentrale der Schweizerischen Hilfe für Mutter und Kind ereignet. Sie wurden unter dem Titel «Geschichte des Monats» in anonymisierter Form veröffentlicht und mamma.ch zur Verfügung gestellt.

«Wie glücklich bin ich, dass das Kind lebt!»

Es ist Freitagnachmittag. An Freitagen kommen immer mehr Anrufe als sonst. In der Notrufzentrale klingelt es erneut. Eine Frau ist am Apparat, doch bereits nach wenigen Worten kann sie nicht mehr weiter sprechen. Sie weint.

Die Beraterin wartet geduldig. Dann, nach und nach, beginnt sie zu erzählen, von ihren zwei Kindern, vom Mann, der schon seit langem arbeitslos ist und – dass sie wieder schwanger ist.

Die Finanzen reichten jeweils gerade bis zum 20. des Monats, so dass sie bereits Schulden hätten. Die beiden Kinder seien eine grosse Belastung und brächten sie immer wieder an den Rand der Kräfte. Auch die Ehe sei am Auseinanderbrechen. Es gebe oft Streit mit ihrem Mann und sie fühle sich allein gelassen. Für ihn gebe es nur einen Weg: Abtreibung!

«Vor zwei Jahren waren wir bereits in der gleichen Situation. Damals habe ich abgetrieben. Danach ging es kurze Zeit wie gewohnt weiter. Doch zum Zeitpunkt, als die Geburt gewesen wäre, fing es an mit Schuldgefühlen und einer tiefen inneren Leere. Seither fühle ich mich oft völlig kraftlos. Wie unerträglich sind mir heute die Gedanken, wenn ich ein Kind sehe, das so alt ist, wie unser drittes Kind jetzt wäre! Nein, eine zweite Abtreibung kommt für mich nicht in Frage! Ich will es nie mehr erleben! Ich bereue es zutiefst!»

Die Beraterin weiss um die abgrundtiefen Nöte von Frauen, die abgetrieben haben, und sagt: «Sie sind nicht allein mit ihrem Leid, auch anderen Müttern geht es so! Doch jetzt dürfen Sie nicht zulassen, den gleichen Fehler noch einmal zu tun. Wir helfen Ihnen, damit das vierte Kind leben kann!» Es wird ein Gespräch mit dem Ehepaar vereinbart. Die Beraterin, eine ausgewiesene Sozialarbeiterin, fährt hin. Nach Prüfung der Unterlagen kann sie dem Paar zusichern, dass die Stiftung SHMK für die fehlenden Babysachen und für die Kosten des Kindes aufkommt.

Ein halbes Jahr vergeht. Es kommt zur Geburt. Ein Knabe! Alles geht gut. Kurze Zeit später erhält der Vater ganz unerwartet eine Arbeitsstelle. Jetzt steht die Familie wieder auf den eigenen Beinen – und ist glücklich!

Die Mutter sagt bei jedem Kontakt mit der Beraterin: «Sie können sich nicht vorstellen, wie unendlich froh und dankbar ich bin, dass dieses Kind lebt!»

«Ein Ja zum Leben bringt Freude!»

Herr P. (38) ist seit einiger Zeit arbeitslos. Das belastet ihn sehr. Seine Familie hat Schulden. Die zwei Kinder sind schon 8- und 12-jährig. Deshalb arbeitet Frau P. (33) in einer Fabrik am Fliessband. Die Arbeit beginnt bereits morgens um halb sieben Uhr.

In diese Situation hinein platzt die unerwartete Nachricht, dass Frau P. nochmals schwanger ist! Herr und Frau P. sehen schwarz. «Sollen sie abtreiben lassen?!»

In diese Situation hinein platzt die unerwartete Nachricht, dass Frau P. nochmals schwanger ist! Herr und Frau P. sehen schwarz. «Sollen sie abtreiben lassen?!» Mit diesem Gedanken begibt sich Frau P. zur Untersuchung ins Spital. Doch dort erkennt die Ärztin die innere Not von Frau P. Sie empfiehlt ihr, bei der SHMK anzurufen. Doch Frau P. kennt die SHMK nicht und geht vorerst zum Sozialamt. Aber beim Sozialamt erhält sie eine Absage. Dann geht sie zur kantonalen Schwangerenberatungsstelle. Doch auch dort will ihr niemand helfen.

Nun ruft Frau P. bei der SHMK an. Bereits das erste Gespräch mit einer Beraterin der Notrufzentrale tut ihr gut. Kurz darauf erhält sie folgenden Bescheid: «Sie können auf unsere Begleitung und Hilfe zählen! Auch finanzielle Unterstützung für das Kind ist möglich!» Frau P. wird überdies auch in Bezug auf Ansprüche bei der Mutterschaftsversicherung informiert, und die Beraterin engagiert sich mit bei der Arbeitssuche ihres Mannes. Die konkrete, lebensbejahende Hilfe verfehlt ihre Wirkung nicht: Eine Abtreibung kommt für Frau P. nicht mehr in Frage. Die folgenden Monate sind aber nochmals sehr anstrengend. Sie muss viele Überstunden leisten.

Schliesslich geschieht das Besondere: Herr P. darf sich in einer Firma vorstellen gehen und erhält kurze Zeit darauf – die Fügung will es so: genau am Tag der Geburt des Kindes! – Bericht, dass er die Arbeitsstelle antreten kann. Die Familie P. kann es kaum fassen. Es bewahrheitet sich einmal mehr: Wer sich für das Leben entscheidet, dem winkt das Glück! Frau P. und dem Kleinen geht es inzwischen gut. Die SHMK leistet für die ersten drei Monate eine finanzielle Überbrückungshilfe. Der Nachzügler macht allen viel Freude, ganz besonders den grossen Geschwistern.

​Tränen retten Leben

Als Claudine (18) den Test macht, zuckt sie zusammen: «Schwanger?! … Bitte nicht! Nicht jetzt!!» Vor ein paar Monaten musste sie ihre Bäckerlehre aus Gesundheitsgründen abbrechen. Seither hat sie eine neue Lehre noch nicht begonnen. Auch ihr Freund ist noch nicht ausgelernt. Im ersten Moment meint Claudine, in ihrer Situation sei eine Abtreibung das Richtige: «Ich hänge ja völlig in der Luft – so im Ungewissen über meine eigene Ausbildung und meine Verdienstaussichten und auch über jene meines Freundes!»

Doch dass sie – in der 9. Woche schwanger – im Ultraschall schon den Herzschlag vernehmen kann, berührt sie tief. Ihre Mutter reagiert abweisend: «Ich würde abtreiben!» Die Mutter von Claudines Freund hingegen reagiert positiv und macht das junge Paar auf die Notrufzentrale der SHMK aufmerksam.

Bald kann ein intensives Gespräch unter sechs Augen stattfinden: die Beraterin der SHMK, Claudine und ihr Freund. Der Freund: «Ich kann doch nicht die finanzielle Verantwortung für ein Kind übernehmen!» Die Beraterin lässt sich die Situation des jungen Paares genau erklären, geht auf die vorhandenen Bedenken ein. Sie bietet konkrete Hilfe an und vereinbart einen nächsten Termin. Tags darauf ist das Paar bei der kantonalen Schwangerenberatung. Jetzt meldet sich Claudine nicht mehr wie vereinbart bei der SHMK. Ihre Beraterin versucht sie mehrmals zu erreichen. Vergeblich. Endlich, eine Woche später, ruft Claudine zurück – und berichtet: «Wir hatten unterdessen zwei Abtreibungstermine im Spital! Aber ich musste dort jedes Mal so weinen, dass wir vom Personal heimgeschickt wurden!» Die Beraterin der SHMK ist erleichtert: «Ich gratuliere Ihnen, dass Sie sich für das Leben Ihres Kindes eingesetzt haben. Jetzt kommt mit der nötigen Hilfe alles gut!»

Nun beginnen sich die Nebel zu lichten. Bei Redaktionsschluss steht die Geburt unmittelbar bevor. Alle freuen sich darauf. Die SHMK wird aber auch nach der Geburt für Claudine und ihr Baby da sein, wann immer diese sie brauchen.