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Nachrichten23.07.2014

Wenn Babys eine Spätabtreibung überleben

Lebensfähigkeit von Frühchen bereits ab der 22. Woche

Neugeborenen-Intensivstation.

Ringen um das Leben: Blick in eine Neugeborenen-Intensivstation. Das blaue Licht wirkt der Gelbsucht entgegen. (© Bild: Fuse/Thinkstock)

Ein Kind kommt bei einer Spätabtreibung lebend zur Welt und wäre mit intensivmedizinischer Behandlung überlebensfähig, erhält die nötige Betreuung aber nicht: Dieser Tatbestand kann als «Tötung durch Unterlassung» geahndet werden. So die herrschende Meinung in der Schweizer Strafrechtslehre.

Schweizer Strafrechtsprofessoren wie Felix Bommer (Universität Luzern) und Christian Schwarzenegger (Universität Zürich) sind sich darin einig, «dass ein Sterbenlassen eines lebensfähigen Neugeborenen nach einem ‹missglückten› Abbruch nicht die rechtlich gebotene oder auch nur erlaubte Lösung darstellen kann» (Felix Bommer).

Bei dem Fall aus dem Artikel über Spätabtreibungen in der «Aargauer Zeitung (az)» vom 3. Mai 2014 (mamma.ch berichtete am 21. Mai erstmals darüber, Zusammenfassung siehe Kästchen «Verzeih mir, mein Kind» weiter unten), ist demnach die grosse Frage, weshalb das Kind keine intensivmedizinische Behandlung erhalten hat. Diese Frage beantwortet der «az»-Artikel nicht. Er lässt einfach jeglichen Hinweis auf eine medizinische Versorgung des Kindes vermissen, sodass man vermuten muss, dass das Kind letztlich aufgrund unterlassener Nothilfe gestorben ist. Das Infoblatt «Mamma-Info» hat vorsorglich eine entsprechende Anfrage an die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau gerichtet.

 

Schutz ab Einsetzen der Wehen. Während bei natürlichen, ungeplanten Frühgeburten oft alles Erdenkliche unternommen wird, um das Kind am Leben zu erhalten, ist bei einer eingeleiteten Geburt im Rahmen einer Spätabtreibung der Tod des Kindes das Ziel. Sobald aber die Wehen eingesetzt haben bzw. die operative Entbindung begonnen hat, kommt nicht mehr das Abtreibungsgesetz zur Anwendung, sondern das Kind steht dann unter dem gleichen gesetzlichen Schutz wie jeder geborene Mensch.

Somit darf ein Kind nicht einfach getötet oder sterben gelassen werden, wenn es eine Abtreibung überlebt – es muss wie jedes andere frühgeborene Kind behandelt werden.

 

Grenze der Lebensfähigkeit. Eine Arbeitsgruppe aus Gynäkologen und Hebammen hat «Schweizer Empfehlungen» zur Betreuung von Frühgeborenen «an der Grenze der Lebensfähigkeit zwischen 22 und 26 vollendeten Schwangerschaftswochen» herausgegeben. In diesen Empfehlungen wird vorgeschlagen, dass sich die Betreuung von Kindern, die vor der 24. Woche zur Welt kommen, in der Regel auf Massnahmen zur Sterbebegleitung beschränken soll. Zwischen der 24. und 26. Woche soll dann je nach Prognose (!) eine intensivmedizinische Behandlung in Erwägung gezogen werden.

Dass die Intensivmedizin normalerweise erst ab der 24. Woche zum Einsatz kommen soll, macht einen etwas veralteten Eindruck. Es sind nämlich von ausserhalb der Schweiz bereits heute Fälle bekannt, in denen Kinder mit intensivmedizinischer Betreuung im Schwangerschaftsalter von 22 Wochen ohne Beeinträchtigungen überlebt haben! Der Verein Mamma hat inzwischen eine entsprechende Überarbeitung der Empfehlungen angemahnt. Zudem ist aus Sicht des Lebensschutzes eine zunächst einmal intensivmedizinische Betreuung sicher nie falsch. Und in Anlehnung an die zu Beginn erwähnte strafrechtliche Einschätzung haben die Empfehlungen eben auch für Kinder zu gelten, die eine Spätabtreibung überleben.

 

Eine Todesspritze. Dem «Problem», dass «Abtreibungskandidaten» womöglich überleben und danach am Leben erhalten werden «müssen», begegnet eine britische Fachgesellschaft mit der Empfehlung, Kinder nach der 22. Woche vor der Geburtseinleitung noch in der Gebärmutter abzutöten («Fetozid»). Auch in der Schweiz wird diese Methode zum Teil eingesetzt.

Durch die Bauchdecke der Frau und die Gebärmutter hindurch wird eine Nadel in die Nabelschnur oder direkt ins Herz des Ungeborenen gestochen und Kaliumchlorid eingespritzt. Das Herz des Kindes hört augenblicklich zu schlagen auf.

 

Dutzende Spätabtreibungen. Im Jahr 2013 wurden in der Schweiz 319 Kinder in der 13.–16. Woche abgetrieben, 102 in der 17.–22. Woche und 55 noch später. Spätestens nach Ablauf der 20. Woche spricht man von «Spätabtreibung». Hinter einer Spätabtreibung steckt hierzulande meist die Diagnose einer Behinderung beim Ungeborenen. Gesetzliche Grundlage bildet Strafgesetzbuch Artikel 119 Absatz 1, demzufolge der «Abbruch einer Schwangerschaft» – theoretisch bis zum 9. Monat – straflos ist, «wenn er nach ärztlichem Urteil notwendig ist, damit von der schwangeren Frau die Gefahr einer schwerwiegenden körperlichen Schädigung oder einer schweren seelischen Notlage abgewendet werden kann.»

In letzter Zeit hat der Verein Mamma auch Kenntnis von Spätabtreibungen erhalten, bei denen die Eltern der felsenfesten Meinung sind, sie würden ihr Kind gar nicht «abtreiben», sondern es werde nur «die Geburt eingeleitet». Diese an Zynismus grenzende Form von Unehrlichkeit führt dazu, dass selbst überlebensfähige Kinder immer leichtfertiger «weggemacht» werden.

 

Jede Abtreibung ist verwerflich. Ob mit oder ohne Todesspritze – Spätabtreibung bleibt Abtreibung. Am Ideal des Lebensschutzes ausgerichtet, sind Früh- und Spätabtreibungen gleichermassen verwerflich. Der Mensch in seiner unantastbaren Würde sollte in jeder seiner Entwicklungsphasen den gleichen rechtlichen Schutz erfahren. Wenn sich Frauen und Paare von einem Leben mit ihrem Kind überfordert fühlen, sollte die Möglichkeit der Freigabe zur Adoption vermehrt gefördert werden. Eine liebevolle Pflegefamilie kann sich auch behinderter Kinder annehmen (siehe Kästchen «Tim lebt!»).

Die klare Orientierung am Lebensschutz vereinfacht in vielen Fällen auch ganz praktisch das Leben der betroffenen Menschen. Oder wie es eine Leserin von mamma.ch in ihrer Reaktion auf den «az»-Artikel vom 3. Mai formulierte: «Habe den Bericht gelesen und kann es nicht verstehen! Warum durfte der Knabe nicht noch zwei Monate im Bauch der Mutter sein. Auch wenn er dann gestorben wäre, so brauchten die Eltern nicht ein schlechtes Gewissen zu haben und ihren Sohn um Verzeihung zu bitten.»

 

«Verzeih mir, mein Kind»: Der «az»-Artikel vom 3. Mai

Kurz zusammengefasst. Ein Elternpaar erhält anlässlich einer Routine-Ultraschalluntersuchung in der 24. Woche die Diagnose, ihr zweites Kind sei «schwerstbehindert». Eine Woche später (25. Woche) lassen sie das Kind durch Einleitung der Geburt abtreiben. Der Bub atmet nach der Geburt und lebt noch zwei Stunden. Die Eltern bitten «das Krankenhauspersonal, sie mit ihrem Sohn alleine zu lassen». Unter Tränen bitten sie ihn «wieder und wieder um Verzeihung». Von einer medizinischen Versorgung des überlebenden Kindes steht in dem Artikel kein Wort.

«Ich musste weinen» ...

Reaktionen auf den «az»-Artikel. Für viele Leserinnen und Leser ist diese Geschichte schwer zu ertragen. Darauf deuten auch diverse Kommentare hin, die mamma.ch nach dem ersten Bericht vom 21. Mai erhielt. So zeigte sich eine Leserin «sehr bewegt» und «musste weinen». «Die Lektüre des Artikels in der Aargauer Zeitung hat mich tief betroffen gemacht», schreibt eine Mutter von drei kleinen Kindern; «Eltern, die eine solche Diagnose erhalten, tun mir aufrichtig leid. Und trotzdem gehen meine Gefühle weiter als diejenigen, die im Artikel so klar geschildert sind. Weiter zum Kind …» Die «az» selbst hat auf ihrer Internetseite unter anderem folgenden beeindruckenden Kommentar erhalten: «Ich bin sehr dankbar, dass meine Eltern mich NICHT abgetrieben haben. Es war eine komplette Fehldiagnose … Ich sollte schwerstbehindert sein, bin aber lebenskräftig und ohne eine geringe Behinderung geboren worden. Mich stimmen solche Artikel sehr traurig. Niemand hat das Recht zu sagen wer leben darf, wer nicht. (…)»

«Tim lebt!»

Jetzt 17-jährig. Im europäischen Raum ist es der bekannteste Fall einer überlebten Spätabtreibung: Nach seiner «Geburt» im Juli 1997 – in der 25. Schwangerschaftswoche – blieb der kleine Junge mit Down-Syndrom neun Stunden lang ohne medizinische Betreuung. Erst dann erbarmte man sich seiner. Die Unterversorgung der ersten Stunden hinterliess ihre Spuren, doch Tim wurde 1998 von einer liebevollen Pflegefamilie aufgenommen und hat seither schon viele schöne Zeiten erlebt. Sein Pflegevater schrieb vor einem Jahr: «Es ist für mich immer wieder ein kleines Wunder, wie Tim uns und seine Mitwelt durch sein frohes Wesen mitreisst, die Initiative übernimmt und letztlich uns und sich selbst glücklich macht.» – Mehr zu dem Fall im Internet unter tim-lebt.de

 

Empfohlene Videos

Blinde Schweizer Sängerin mit Hymne für die Ungeborenen

Bernarda Brunovic (aus Dietikon ZH, geboren 1993) erreichte 2018 das Halbfinale der deutschen Gesangs-Fernseh-Talentshow «Voice of Germany». Mit dem Lied «Welcome On Earth» («Willkommen auf Erden») des deutschen Kaplans Thomas de Beyer richtet Bernarda im Corona-Jahr 2020 eine kraftvolle, mitreissende Botschaft an alle ungeborenen Kinder – und an alle, die sich für deren Schutz einsetzen ... Dieser Song hat das Prädikat «Hymne für die Ungeborenen» verdient! – Sprache: Englisch – Grösseres Bild in höherer Auflösung: Klick hier

Rapper trauert um sein abgetriebenes Kind

«MoTrip» (geboren 1988) und seine Verlobte hatten sich bei ihrer ersten Schwangerschaft zu einer Abtreibung entschieden. Im Jahr 2012 veröffentlichte der deutsche Rapper dann sein Debütalbum, das er offenbar ganz dem Andenken an das abgetriebene Kind widmete: Es trägt den Titel «Embryo» und enthält auch einen gleichnamigen Song mit sehr bewegendem Text. Hier in diesem YouTube-Video sehen und hören Sie das Lied in einer orchestrierten Live-Version aus dem Jahr 2016. Die Tränen der Reue flossen bei MoTrip übrigens auch im Jahr 2020 noch – als in der Serie «Sing meinen Song» des Fernsehsenders «Vox» Michael Patrick Kelly eine Cover-Version des Lieds sang. – Songtext: siehe hier – Sprache: Deutsch – Grösseres Bild in höherer Auflösung: Klick hier – Quelle: motrip.de
Begegnung mit Birgit Kelle

Die deutsche Publizistin und «Vorkämpferin für ein neues Frauen- und Familienbild» Birgit Kelle hielt im Vorfeld der Mitgliederversammlung des Vereins Mamma am 9. Juni 2018 einen Vortrag zum Thema «Scheitert der Feminismus an der Mutterschaft?». Sehen Sie in diesem kurzen Video eine Zusammenfassung der Veranstaltung (Dauer: knapp 4 Minuten).

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Interview mit Birgit Kelle

Sehen Sie in diesem Video ein separates Interview mit Birgit Kelle (Dauer: knapp 10 Minuten).

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Ein Genie um ein Haar abgetrieben

Dieser professionell gemachte Kurzfilm basiert auf einem wahren Hintergrund. Er spielt im 18. Jahrhundert. Eine Schwangere bewegt sich am Rande des Abgrunds. Auch ihrem Kind droht die Vernichtung … Doch es kommt nicht soweit. Stattdessen kann die Mutter schliesslich trotz schwieriger Geburt aufrichtig Ja zu ihrem Kind sagen – oder, mit den Worten des Films gesprochen: sie schafft es, «die Misstöne aufzugreifen» und mit ihnen «eine neue Melodie zu beginnen».  Sprache: Deutsch mit englischen Untertiteln  Grösseres Bild in höherer Auflösung: Klick auf das YouTube-Zeichen (Link auf YouTube-Seite)  Quelle: crescendomovie.com

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Das Geburtstagskind wurde abgetrieben

Es ist ein Gedanke, der viele Frauen nach einer Abtreibung verfolgt: «Was wäre, wenn mein Kind noch leben würde?» Im Kurzfilm «Aaron» hat eine junge Frau am errechneten Geburtstag ihres abgetriebenen Sohnes mit dieser Frage zu kämpfen: Sie bildet sich ein, den Tag mit ihm auf dem Spielplatz zu verbringen. Das Video gipfelt darin, dass sie alleine auf einer Parkbank sitzt und die Stimme eines kleinen Jungen flüstern hört: «Ich liebe dich, Mama. Ich vergebe dir.»  Sprache: Englisch – Grösseres Bild in höherer Auflösung: Klick auf das YouTube-Zeichen (Link auf YouTube-Seite)  Quelle: lifesitenews.com

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«Mami, ich will erzählen, was Abtreibung wirklich ist»

Der Kurzfilm «To Be Born» («Geboren werden») handelt von einer jungen Frau, die mit einer ungeplanten Schwangerschaft konfrontiert ist und vorhat abzutreiben. Mitten in der Prozedur befindet sie sich in einer bedauerlichen Situation: Sie hört ihre ungeborene Tochter, die beginnt, die erschütternden Details über das, was mit ihr gerade geschieht, zu schildern. – ACHTUNG: Dieser Film enthält Szenen mit Darstellungen, die für Minderjährige sowie empfindlich reagierende Zuschauer möglicherweise nicht geeignet sind. – Sprache: Englisch – Grösseres Bild in höherer Auflösung: Klick auf das YouTube-Zeichen (Link auf YouTube-Seite) – Quelle: tobeborn.com – Kommentar: Teilweise keine leichte Kost, aber echt professionell gemachter Kurzfilm!

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«Dein Fleisch und Blut»

Rap-Videoclip «Dis Fleisch und Bluet» (Dein Fleisch und Blut) – Stego feat. Cesca – Sprache: Schweizerdeutsch – Grösseres Bild in höherer Auflösung: Klick auf das YouTube-Zeichen (Link auf YouTube-Seite) – Quelle: stego.ch

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