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Nachrichten22.11.2010

Ärzte, Hebammen & Co.: Mitwirken bei Abtreibungen obligatorisch?

Die Gewissensfreiheit wird verletzt

Teambesprechung in einem Spital. Die Gewissensfreiheit ist ein Tabuthema. (© Bild: JCB Prod/PantherMedia)

Der Europapalast in Strassburg. In diesem Gebäude sprach sich am 7. Oktober eine knappe Mehrheit der Parlamentarischen Versammlung des Europarats für die Gewissensfreiheit in Medizinalberufen aus (siehe Box ganz unten). (© Bild: av.coe.int)

Wer sich hierzulande zur Hebamme berufen fühlt oder zur Pflegefachperson oder zum Arzt, und gleichzeitig aus Gewissensgründen nicht bei Abtreibungen mitwirken will, sollte sich auf Unannehmlichkeiten bis hin zu einem faktischen Ausbildungs- und Berufsverbot einstellen.

Das Thema ist ziemlich tabu. Doch es gibt Betroffene, die das Schweigen brechen. So auch Bruno Cadruvi und Jean Nietlisbach*. Beide haben selbst erfahren müssen, dass ihre Gewissensfreiheit beschnitten wurde – der eine als altgedienter Anästhesiepflegefachmann in einem grossen Zentrumsspital, der andere in der Ausbildung zum Gynäkologen. Beiden wurde ihre Gewissensüberzeugung, bei Abtreibungen nicht mitwirken zu wollen, zum Vorwurf gemacht: Es müssten für alle die gleichen Bedingungen gelten, alle müssten «die Schmutzarbeit» tun.

 

* Beide Namen von der Redaktion geändert.

 

DER ANÄSTHESIEPFLEGEFACHMANN Nietlisbach arbeitete in den letzten Jahren auf der gynäkologischen Abteilung. Er hatte die Spezialabmachung, «dass ich bei Abtreibungen nicht anästhesieren muss». Doch neue Vorgesetzte lösten die Abmachung vor Kurzem auf und stellten Nietlisbach vor die Wahl: Wechsel in eine andere Abteilung – oder ganz weg aus dem Spital. Nietlisbach wechselte die Abteilung. Besonders schlimm findet er, dass es heute in der Anästhesieausbildung Pflicht sei, bei Abtreibungen zu anästhesieren. Er kenne eine Person, welche die Ausbildung aus diesem Grund abgebrochen habe.

 

DER GYNÄKOLOGE Cadruvi bemerkt: «Je klarer und konsequenter man ist und das in Worte fasst und wissenschaftlich begründet, desto mehr wird man auch diskriminiert.» Als es um eine Anstellung für die Facharztausbildung ging, wurde die Diskriminierung für ihn mit Händen greifbar. Bei Dutzenden Spitälern bewarb er sich vergeblich. In der Absagebegründung aber wurde seine Gewissensüberzeugung in aller Regel nicht als Grund angegeben – wie Cadruvi sagt, weil er sonst gerichtlich dagegen hätte vorgehen können. In einem faktischen Ausbildungs- und Berufsverbot kann man einen Verstoss sehen gegen das in der Schweiz verfassungsmässig verankerte Grundrecht der Glaubens- und Gewissensfreiheit wie auch gegen manche kantonalen Gesundheitsgesetze.

 

DIE AUSBILDUNGSSTÄTTEN und Spitäler – was sagen sie selbst zu dem Tabuthema? Insbesondere Hebammen scheinen heute an einer indirekten Mitwirkung bei Abtreibungen praktisch nicht mehr vorbeizukommen. Konkret geht es vor allem um die «Begleitung, Betreuung und Überwachung » von Frauen, die abtreiben. So heisst es am Westschweizer Studienort für Hebammen, der Haute Ecole de Santé de Suisse Occidentale, es sei bei den Bewerbungsgesprächen Aufgabe der Schule, «radikale» Haltungen zu erkennen, welche «die erwartete qualitativ gute Begleitung» beeinträchtigen könnten. Es sei illusorisch zu meinen, im Team einer mittelgrossen medizinischen Einrichtung könne eine Hebamme diese konkrete Situation umgehen. Ähnlich tönt es an den Deutschschweizer Studienorten, der Berner Fachhochschule und der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Nur die «aktive Handlung» wird dort ausdrücklich ausgenommen: Eine Hebamme müsse kein «Medikament» abgeben bzw. injizieren bei der Durchführung einer Abtreibung, «wenn dies ihrer eigenen ethischen Haltung zuwiderläuft».

 

DIE SPITÄLER kennen (auch) keine einheitliche Regelung. Markus Hächler, Mediensprecher des Inselspitals Bern, teilt mit, im Inselspital werde «niemand zu einer beruflichen Handlung gegen die persönlichen ethischen und moralischen Vorstellungen gezwungen». Mamma.ch liegen allerdings Informationen vor, die diese Aussage relativieren. Prof. Patrick Hohlfeld, Chefarzt Gynäkologie am Uni-Spital CHUV Lausanne, liefert die ebenfalls gut tönende Stellungnahme, es sei in der Schweiz durchaus möglich, sich zum Gynäkologen ausbilden zu lassen ohne Abtreibungen vornehmen zu müssen. Die Praxis in den einzelnen Spitälern variiere. Das CHUV selbst nehme auch solche Verweigerer auf – auch bei den Hebammen und Pflegefachleuten. Die Chefärztin der Frauenklinik des Triemlispitals Zürich hingegen, Dr. med. Stephanie von Orelli, lässt wissen, sie hätten als öffentliches Spital einen «Leistungsauftrag» und müssten «Schwangerschaftsunterbrechungen» durchführen. «Als Ärztin kann ich Ihnen sagen, dass dies niemand gerne tut. Wir versuchen, soweit das geht, Gewissenskonflikte zu berücksichtigen.»

Wie im Triemlispital führen zweifellos auch an anderen Schweizer Spitälern «Sachzwänge» dazu, dass Hebammen, Pflegefachpersonen und Ärzte wegen ihrer Gewissensüberzeugung eine Anstellung nicht erhalten oder nicht behalten können. Dies aber ist ein grundsätzlicher Missstand bei den Medizinalberufen, und einem solchen muss so bald wie möglich abgeholfen werden. Erst recht jetzt, wo der Europarat das Recht auf Gewissensfreiheit bekräftigt hat (siehe Box unten).

 

 

Spektakuläre Debatte im Europarat

 

AM 7. OKTOBER lag in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates ein Resolutionsentwurf von Abtreibungsbefürwortern zur Abstimmung vor: Sie wollten die Gewissensfreiheit in Medizinalberufen stark beschneiden. Doch es gab Dutzende Änderungsanträge, welche den ursprünglichen Text komplett umkrempelten. Die neue Version bestätigt ausdrücklich das Recht jedes medizinischen Personals und jeder medizinischen Einrichtung auf Verweigerung aus Gewissensgründen. Mit einer knappen Mehrheit nahm die Versammlung die abgeänderte Resolution an. Die von diesem Gremium verabschiedeten Texte haben zwar keine rechtlich bindende Wirkung, dienen jedoch als Orientierungshilfen für das Ministerkomitee des Europarats und für die nationalen Regierungen und Parlamente (inkl. Schweiz).

 

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